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03.09.2019 - Endlich geht's los: Mit der Schwalbe durch Vietnam #1

Samstag, 07 September 2019 geschrieben von

Nachdem wir uns mit unseren beiden Simmen einen Weg aus Hanoi gekämpft haben, stand unserem Roadtrip durch Vietnam nichts mehr im Wege. Oder etwa doch? Bereits bei den ersten Kilometern aus der Stadt gab es bereits ein Problem an der grünen S51. Von Zeit zu Zeit nahm das Moped kein Gas mehr an und ging mir innerhalb von fünf Kilometern gleich dreimal mitten im Verkehrschaos komplett aus. Das ging ja gut los! Da die Gasannahme sehr unregelmäßig war, und das Fahrzeug ansonsten keinerlei Probleme machte, vermutete ich etwas Rost im Tank oder Vergaser, der wahrscheinlich die Hauptdüse zusetzte. Mein Verdacht bestätigte sich, als das Problem nach einer großen Kreuzung bei Vollgas plötzlich verschwand. Kein Stottern mehr und keine Standgasprobleme mehr.

Was tut man in so einem Fall? Richtig: Abwarten. Ich entschied mich dazu, nichts weiter zu demontieren und nichts zu verändern, denn ich hatte das Gefühl, dass jeder Handgriff der letzte sein könnte.

Versteht mich nicht falsch, die S51 ist in einem relativ guten Zustand, jedoch darf man bei dem Fahrzeug nicht zu sehr ins Detail schauen. Ein Demontieren des Vergasers könnte nach so langer Standzeit zur Folge haben, dass die Dichtung zwischen Vergaser und Zylinder nicht mehr korrekt abdichtet. Damit ihr versteht, was ich meine, habe ich euch mal ein Detailfoto davon gemacht ;)

Mit großen Erwartungen machten wir uns auf den Weg. Es hat sich in Vietnam schnell herumgesprochen, dass zwei deutsche Reisende mit der Simson das Land erkunden wollen und so bekamen wir fast täglich Emails und Nachrichten auf Facebook von anderen vietnamesischen Simson Fans, die uns viel Glück wünschten oder uns zu sich nach Hause einluden. Einer davon war Huang Son, der uns in sein kleines Dorf circa 120 Kilometer südöstlich von Hanoi einlud. Wir hatten uns vorgenommen, tagsüber nicht zu viele Kilometer zu fahren, um uns an die Mopeds, das Wetter und den Straßenverkehr zu gewöhnen. Trotz Fahrtwind verspürt man in Vietnam nicht besonders viel Abkühlung. Daran ändern auch plötzlich auftretende Regenschauer in der Regenzeit nichts. Die Temperaturen bleiben unerträglich warm und schwül.

Unsere ersten Kilometer liefen ohne größere Zwischenfälle. Eine lockere Schraube am Trittbrett und eine abgefallene Schraube am Rücklicht der Schwalbe sind wahrscheinlich unserem Pfusch beim Zusammenbau geschuldet. Mit Kabelbindern war dieses Problem schnell behoben und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Der Zylinder vom vietnamesischen Schwalbemotor hörte sich während der Fahrt so an, als könnte er auch mal einen neuen Schliff vertragen. Da wir eher gemütlich und nicht mit Vollgas unterwegs waren, machte ich mir darüber aber weniger Gedanken.

Wir besuchten Huang Son in xâ Phú Lu'o'ng und stellten wieder einmal fest, dass das Simson Hobby überall Menschen miteinander verbindet. Ganz egal wo auf der Welt. Obwohl wir einander kein Wort verstanden, konnten wir uns mit Händen und Füßen über Mopeds, Schrauben und sonstige Eigenheiten der Simsons unterhalten. Huang Son zeigte uns stolz seine gelbe S51 und führte uns zu seinem Freund im Nachbardorf, der ebenfalls eine S51 im Hinterhof stehen hatte. Dabei habe ich natürlich jedes Mal einen genaueren Blick auf die Rahmen der Fahrzeuge geworfen, denn mich interessierte, ob die vietnamesischen Fahrzeuge irgendwelche Export Sonderzeichen auf den Rahmen eingeschlagen haben. Seit unserer Ankunft in Hanoi hatte ich die Gelegenheit, bei insgesamt zehn Fahrzeugen auf den Rahmen zu schauen und bislang ist mir dort noch nichts Besonderes ins Auge gefallen. Ein Fahrzeug hatte ein sehr undeutliches Zeichen eingeschlagen, was die Überreste von einem "M" (CM50?) sein könnten. Ein Foto davon lade ich euch zu diesem Beitrag ebenfalls mit hoch. Was meint ihr?

Abends saßen wir zusammen mit der Großfamilie beim Abendessen. In dieser gemütlichen Runde fielen uns die großen kulturellen Unterschiede besonders auf. Durch die immer gleichbleibenden Temperaturen in den Tropen sind die Wohnhäuser der Vietnamesen in der Regel offen. Türen und Fenster sucht man oft vergebens und der Wohnbereich ist meist sehr karg eingerichtet. Gegessen wird in einem Sitzkreis auf dem Boden, in dem alles in der Mitte angerichtet und geteilt wird. In den Dörfern wird leidenschaftlich gerne getanzt und uns zu Ehren gab es am Abend sogar eine kleine traditionelle Tanzshow.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Huang Son und seine gesamte Familie, die uns diese einmaligen Einblicke gegeben und uns sehr gastfreundlich aufgenommen haben! Wir freuen uns auf weitere Simson Fans, die wir in Vietnam besuchen können!

 

 

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1 Kommentar
Stefan

Sonntag, 08 Dezember 2019 21:10

Hallo Martin,

aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der aller größte Teil der Summis in Vietnam sogenanngte "grau Importe" sind.

Als mein Cousin( unsere Eltern und ich) sich von seinem Jugendweihe* Geld seinen Summi - im Örtlichen IFA-Laden - gekauft hatte, wurde er von drei Vietnamesen (sie arbeiteten in einer großen Näherei in der Nachbarstadt) angesprochen. diese wollten seinen Summi, eine S51C (12V elektronik), kaufen oder gegen eine neue MZ ETZ 125/150 tauschen wollten.

Da die Vietnamesen für eine MZ zu klein waren, waren sie besonder auf die Summis "scharf". Geld haben sie bei uns wohl recht gut bekommen, so dass sie gerne Summis kaufeten und sie dann nach Vietnam zu schicken.

Da die MZ erst mit 16 Jahren bei uns gefahren werden durfte, hat er sich nicht auf den Handel eingelassen.

* Jugendweihe war bei uns im Alter von 15/14 Jahren

mit bessten 2Tackt Grüßen

Stefan